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Marktplatz 14 (früher Hs.-Nr. 4)
Haus der jüdischen Familien Katz, Straus und Steinkritzer
Bildmitte - rechte Haushälfte |
Vier Mitglieder der Familie Steinkritzer wurden Opfer des Holocaust: die alleinerziehende jüdische Mutter Ella Steinkritzer, geb. Straus, deren Elternhaus das Haus Nr. 4 am Marktplatz war, und ihre drei Kinder Horst, Margot und Klaus. Ella Steinkritzer wurde am 31. März 1942 von Warburg ins Warschauer Ghetto deportiert. Ihr jüngster Sohn Klaus war mit dabei. Auch Tochter Margot wurde im April 1942 von München aus ins Warschauer Ghetto deportiert. Was dort mit Ella und ihren beiden Kindern geschehen ist, ist unbekannt.
Vermutlich wurden sie in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und dort ermordet. Der älteste Sohn Horst wurde im März 1943 nach Auschwitz deportiert und war zunächst Zwangsarbeiter in einem Außenlager von Auschwitz. Als er krank wurde und nicht mehr bei Kräften war, wurde er selektiert und in die Gaskammern von Auschwitz geschickt. Der Vater der Kinder, Kurt Steinkritzer, der sich 1929 von der Familie getrennt hatte und nach Berlin gezogen war, überlebte Auschwitz und den Holocaust.

Ella Straus, geb. 1897 in Hammelburg
2. von rechts, auf dem Stuhl sitzend, bei einem Tanzkurs in Untererthal 1920
Foto: Josef Kirchner, Hammelburg
Ella Steinkritzer, geb. Straus wurde am 16. Februar 1897 in Hammelburg geboren. Ihre Eltern waren Moses Straus (* 29.6.1853) und Karoline Hamburger (* 10.4.1856). Der Vater stammte aus Dittlofsroda, die Mutter aus Burgsinn. Am 16. Oktober 1880 hatte sich Moses Straus als Handelskaufmann in Hammelburg am Marktplatz 14 niedergelassen im ehemals Katz´schen Anwesen nebem dem Gasthof Engel.
Ella hatte fünf ältere Brüder: Nestor (*1880); Hermann (* 1885); Julius (*1887); Albert (* 1892) und Hugo (*1895). Bruder Julius war der bekannte jüdische Gemeinderat und Volksschullehrer, der bis 1924 in Westheim wirkte. Bruder Hugo blieb in Hammelburg wohnen und gründete das Schuhgeschäft Straus in der Bahnhofstraße 14.
1924 heiratete Ella den Kaufmann Kurt Steinkritzer (*22.12.1894) aus Parchim (Neubrandenburg). Sein Vater war jüdischer Religionslehrer. Drei Kinder wurden geboren: Horst (* 22.6.1925); Margot (*11.6.1926) und Klaus (16.7.1929). 1925 übernahm Kurt Steinkritzer das Geschäft des Schwiegervaters Moses Straus, der 1926 verstarb.
1929 verließ Kurt Steinkritzer seine Familie und zog nach Frankfürt a. M, später nach Berlin. Das Elternhaus Ellas am Marktplatz 14 ging 1929 in den Besitz der Familie Schilling über. Ella zog mit den drei kleinen Kindern in die Dalbergstraße (Judengasse) 55 um, in eine Sozialwohnung der jüdischen Gemeinde in unmittelbarer Nachbarschaft des Synagogenanwesens. Die alleinerziehende Mutter wurde von der jüdischen Gemeinde finanziell unterstützt.